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Hat Tauchen bei Tinnitus eine negative Auswirkung?

In TF 3/2004 fragte unser Mitglied Jürgen K. nach Erfahrungswerten anderer Taucher. Er selbst litt einige Zeit nach dem Auftauchen unter Kopfschmerzen, starken Ohrgeräuschen sowie körperlicher Erschöpfung.
Herr K. schickte uns freundlicherweise einige Leserzuschriften, von denen auch andere betroffene Taucher profitieren können.

Frau C.: Als ich 1999 von Tinnitus betroffen wurde, war die Frage, ob Tauchen weiterhin möglich sein würde, für mich sehr wichtig. Der HNO-Arzt gab zu, nichts genaues dazu zu wissen und riet mir, einige Monate zu verzichten, weil mein Gehör aus dem Gleichgewicht sei und er nicht voraussagen könne, ob der Druck eine Irritation auslösen könne.
Im nächsten Sommer habe ich es dann erst im Schwimmbad bis 3,5 m, dann im Baggersee bis ca. 8 m probiert. Seitdem nutzte ich die wärmere Jahreszeit wie früher zum Tauchen in hiesigen See; im Meer mit größeren Tiefen war ich mangels Gelegenheit nicht mehr. Ich tauche übrigens nur zur Entspannung, habe keinen sportlichen Ehrgeiz.
Meine Erfahrung: Unter Wasser höre ich die Tinnitus-Töne viel deutlicher - wahrscheinlich, weil Umgebungsgeräusche fehlen. Ansonsten: kein Problem.
Bei meinem Partner ist Tinnitus das erste Mal sogar während eines ruhigen, sehr flachen Tauchgangs bis nur 4,5 m aufgetreten. Er hatte sich vorher schon nicht ganz wohl gefühlt. Nach dem Tauchgang war er auch etwas unsicher mit dem Gleichgewicht. Seitdem hat das Piepen nicht mehr aufgehört. Ich persönlich würde deshalb jedoch nicht daraus folgern, dass das Tauchen ursächlich für das Entstehen des Tinnitus war.

Herr S.: Ich bin kein Experte in Tauchmedizin, möchte aber doch gerne meine Erfahrungen mit Tinnitus/Tauchen weitergeben.
Als Jugendlicher war ich vom Tauchsport immer fasziniert, aber der Zugang war mir aus finanziellen Gründen verwehrt. Mit Ende 30 bekam ich dann meinen Tinnitus und die Sache mit dem Tauchen war sowieso ganz weit im Hintergrund und absolut nicht aktuell.
Bei einem längeren Urlaub in Australien kam natürlich aufgrund der entsprechenden Angebote die Frage auf, ob ich nicht mal an einem "Schnuppertauchen" am großen Riff teilnehmen wollte. Ich war da ganz unsicher, zumal ich einige Zeit vorher einen Artikel gelesen hatte, in dem ein Tinnitus-Betroffener das Tauchen ausprobierte und hinterher alles viel schlimmer war.
Schließlich probierte ich es - in Kenntnis der Risiken - doch. Da sich durch das Tauchen bei mir keine negativen Veränderungen eingestellt haben, habe ich später den Tauchschein erworben und tauche jetzt des Öfteren unter. Im Wasser nehme ich die Ohrgeräusche nicht wahr. Ich glaube nicht, dass sie unter Wasser wirklich weg sind, die Ablenkung ist wohl groß genug.
So vielfältig wie die Ursachen des Tinnitus sind, so unterschiedlich reagiert der Mensch auf das Tauchen. Eine Patentlösung gibt es nicht, und das Risiko muss man sehr bewusst abwägen.

Herr Sch.: Ich leide seit zehn Jahren unter Tinnitus. Seit ca. drei Jahren kam Morbus Menière hinzu, der zweimal mit Gentamyzin behandelt wurde. Seitdem bin ich, bis auf den Tinnitus und eine Hörminderung links beschwerdefrei.
Ich tauche seit 1988. Habe mich aber zwischenzeitlich zum "Urlaubstaucher" entwickelt, pro Jahr komme ich daher lediglich auf ca. zehn Tauchgänge. Auch ich hatte die Befürchtung, ganz auf das Tauchen verzichten zu müssen. Prof. Dr. Mann von der Uniklinik Mainz sah in der Ausübung des Tauchsportes kein Problem.
Während des Tauchens stellte ich fest, dass der Tinnitus in den Hintergrund trat. Nach den Tauchgängen gab es recht unterschiedliche Reaktionen, die vom verbesserten Hörempfinden über verstärkten Tinnitus bis zur Hörminderung reichten.
Die Symptome verschwanden jedoch nach ein paar Stunden und waren auch nicht so störend, dass ich daran dachte, das Tauchen aufzugeben. Kopfschmerzen traten bei mir nur auf, wenn ich in Stresssituationen kam (z. B. Tauchen nach Kompass in einem unbekannten Gebiet mit unbekannten Tauchpartnern). Dann aber wirklich nur kurzzeitig.

Frau N.: Seit 1992 plagt mich der "Mann im Ohr", und der Tauchsport ist ebenso ein Hobby von mir. Meine Ohrgeräusche werden z. B. lauter, wenn ich Stress habe. Ob es sich um positiven Stress (Tauchen belastet den Organismus) oder negativen Stress handelt, ist egal. Die Wirkung ist bei mir dieselbe. Auf jeden Fall habe ich bei mir weder eine dauerhafte Verbesserung noch eine Verschlechterung der Ohrgeräusche durch das Tauchen erfahren. Mein Motto: Tue alles, was Spaß macht! Denn das lässt den Tinni vergessen und Tauchen gehört dazu!

Noch ein paar Infos zum Thema:
Welches Ohr darf nicht zum Tauchen?
Die Tauchtauglichkeit scheitert durchaus nicht immer an Lungen- oder Stoffwechselerkrankungen. Oft verbietet es ein nicht ausreichend belüftetes Mittelohr. Dann besteht beim Abtauchen die Gefahr eines Barotraumas. Aber auch ein perforiertes oder drainiertes Trommelfell verbietet den Unterwassersport. Vorsicht geboten ist zudem bei einem schwachen Trommelfell, z. B. durch Narben oder nach Operationen, da hier durch die Druckbelastung unter Wasser das Trommelfell leichter reißen kann.

Wer attestiert die Tauchtauglichkeit?
Jeder approbierte Arzt darf nach deutschem Recht eine Tauchtauglichkeitsbescheinigung ausstellen. Da sich Taucher aber in einer Umgebung aufhalten, die viele Gefahren birgt, sollte der untersuchende Arzt eine tauchmedizinische Fortbildung absolviert haben.

(TF 3/2005)

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