Tinnitus
Auf dieser Seite finden Sie Informationen zu Tinnitus, einschließlich Diagnostik und Behandlungsmöglichkeiten, die Ihnen helfen können, Tinnitus zu bewältigen und Ihre Lebensqualität zu verbessern.
Was ist Tinnitus?
Tinnitus ist der medizinische Fachausdruck für Ohrgeräusche, die von Betroffenen wahrgenommen werden, ohne dass eine äußere Schallquelle vorhanden ist. Das können verschiedene Geräusche sein wie Pfeifen, Rauschen, Zischen, Klopfen oder Summen.
Der Geräuscheindruck entsteht meist durch unnormale Aktivität im Hörsystem. Das können Veränderungen der Schallverarbeitung im Innenohr sein, seltener auch Veränderungen des Schalltransportes im Mittelohr oder der weiteren Schallverarbeitung in Hörnerv und zentralem Nervensystem.
Wie hört sich ein Tinnitus an? Beispiele für Ohrgeräusche können Sie hier herunterladen oder unter der Telefonnummer 0202 24652-72 anhören. Bitte stellen Sie vor dem Abspielen eine geringe Lautstärke ein.
In den allermeisten Fällen handelt es sich um einen subjektiven Tinnitus, den nur die betroffene Person hört. Viel seltener (weniger als zehn Prozent der Fälle) ist ein objektives Ohrgeräusch, das von außen messbar ist und durch Körpergeräusche verursacht wird, der pulssynchrone oder pulsatile Tinnitus.
Bis zu einer Dauer von drei Monaten sprechen Fachleute von „akutem Tinnitus“. Ein Ohrgeräusch, das seit mehr als drei Monaten besteht, wird als „chronischer Tinnitus“ bezeichnet.
Akuter Tinnitus – was tun?
Ein erstmalig auftretender akuter Tinnitus gehört ebenso wie ein Hörsturz möglichst bald in HNO-ärztliche Behandlung. Wenn Tinnitus mit oder ohne Hörminderung erstmals auftritt, kann getrost ein bis zwei Tage abgewartet werden, ob er von selbst wieder verschwindet (wie in den allermeisten Fällen). Bleibt das Ohrgeräusch, so sollte eine HNO-Ärztin oder ein HNO-Arzt aufgesucht werden. Akuter Tinnitus ist kein Notfall, wird aber als Eilfall angesehen.
Neben einer gründlichen medizinischen Abklärung ist die richtige Beratung durch den Arzt entscheidend für den Therapieverlauf. Dazu gehört die Information, dass Ohrgeräusche keine Krankheit und meist harmlos sind. Die Patienten sollten die Geräusche möglichst wenig beachten und völlige Stille vermeiden.
In der Regel kommen – je nach Diagnose – folgende Maßnahmen infrage: Wenn mit dem Tinnitus auch ein Hörverlust aufgetreten ist, der in einer Untersuchung erfasst werden kann, auch wenn er subjektiv nur sehr gering erscheint, dann ist eine medikamentöse Behandlung mit Kortison möglich. Die entsprechende Leitlinie zum Hörsturz wird zurzeit von der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie überarbeitet. Die gängige Therapie setzt Kortison ein, entweder als Kurzinfusion, in Tablettenform oder als intratympanale (direkt durch das Trommelfell ins Mittelohr gespritzte) Steroidbehandlung, meist ambulant. Es kann auch eine Krankschreibung erfolgen. Die Spontanheilungsrate liegt bei ca. 70 Prozent, dennoch sollte bei erstmals auftretendem Tinnitus zügig ein HNO-Arzt aufgesucht werden.
Häufigkeit von Tinnitus
Tinnitus ist ein weit verbreitetes Phänomen und betrifft mehr als 740 Millionen Menschen weltweit, von denen mehr als 120 Millionen sehr stark dadurch beeinträchtigt sind.
Im Jahr 2022 wurde in der renommierten medizinischen Fachzeitschrift The Lancet eine Studie zum Vorkommen von Tinnitus in Europa veröffentlicht (Biswas et al., 2022). Dazu wurden in jedem Land 1000 repräsentativ ausgewählte Personen befragt. Osteuropäer waren stärker betroffen als Westeuropäer, für den Süden Europas ergaben sich etwas geringere Prävalenzen.
Für Deutschland hat sich aus der Studie ergeben, dass insgesamt 11,9 Prozent der Befragten irgendeine Form von Tinnitus erlebt hatten, das sind hochgerechnet auf die deutsche Bevölkerung rund 9,9 Millionen Menschen. Davon hatten 5,5 Prozent einen belastenden Tinnitus, was rund 4,6 Millionen Personen in Deutschland entspricht. Ein Prozent hatte einen sehr schweren Tinnitus, also rund 834.000 Menschen. 6,2 Prozent der Bevölkerung haben wegen Tinnitus eine ärztliche Behandlung aufgesucht, was 5,2 Millionen Personen in Deutschland entspricht.
Tinnitus-Belastung
Nicht alle Menschen, die einen Tinnitus wahrnehmen, leiden auch gleichermaßen darunter. Fachleute unterscheiden zwischen „kompensiertem“ und „dekompensiertem“ Tinnitus. Ist ein Tinnitus kompensiert, bedeutet dies, dass die betroffene Person zwar Geräusche wahrnimmt, aber sich dadurch nicht oder nur wenig beeinträchtigt fühlt. Ein Tinnitus ist „dekompensiert“, wenn die betroffene Person sich deswegen in ihrer Lebensführung eingeschränkt fühlt und einen Leidensdruck verspürt.
Symptome und Auswirkungen
Tinnitus kann das Leben der Betroffenen stark beeinflussen, sowohl physisch als auch psychisch. Die ständige Wahrnehmung von Ohrgeräuschen kann zu Schlafstörungen, Konzentrationsproblemen, Angstzuständen und Depressionen führen. Die Lebensqualität kann erheblich beeinträchtigt sein, da der Tinnitus oft als störend oder belastend empfunden wird. Betroffene reagieren oft mit sozialem Rückzug und dem Gefühl, nicht verstanden zu werden.
Mögliche Ursachen
Die Ursachen für Tinnitus sind vielfältig und reichen von temporären Zuständen wie Lärmexposition oder Stress über innenohrschädigende Substanzen bis hin zu chronischen Krankheiten des Ohres. Hier ist eine unvollständige Auflistung bekannter Ursachen:
- Lärmschädigung des Innenohrs (Knalltrauma)
- Schwerhörigkeit
- Otosklerose
- Hörsturz
- Schädel-Hirn-Trauma
- Akustikus-Neurinom
- Morbus Menière
- Vergiftungen des Innenohrs
- Funktionsstörungen der Halswirbelsäule
- Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD)
- Bruxismus (Zähneknirschen)
- Veränderungen an Blutgefäßen
- Chronische Mittelohrerkrankungen
Diagnostik
Vor einer Behandlung ist es wichtig, die genaue Krankengeschichte zu kennen (Anamnese). Dabei fragt die Ärztin oder der Arzt, wann die Ohrgeräusche das erste Mal aufgetreten sind und ob bestimmte Dinge sie beeinflussen, wie beispielsweise Bewegungen oder Medikamente. Durch einen Blick ins Ohr können manche Ursachen wie etwa ein festsitzender Ohrenschmalzpfropf oder Veränderungen des Mittelohres schnell erkannt werden. Ein Test des Hörvermögens sollte erfolgen, um eine möglicherweise zugrundeliegende Schwerhörigkeit festzustellen. In manchen Fällen sind weitere Untersuchungen notwendig, zum Beispiel eine Kernspintomographie des Kopfes, um seltene Probleme wie Tumore auszuschließen.
Die Tinnitus-Diagnostik im engeren Sinne umfasst die Feststellung der Lautheit des Ohrgeräusches relativ zur Hörschwelle sowie eine Charakterisierung hinsichtlich seiner Frequenz(en). Die Qualität des wahrgenommenen Ohrgeräusches kann ebenfalls Hinweise auf mögliche Ursachen liefern. Die Vielzahl der für Tinnitus in Frage kommenden Ursprünge macht die Diagnostik oft herausfordernd und den Prozess der Abklärung schwierig – sowohl für betroffene als auch behandelnde Personen.
Behandlung bei Tinnitus
Selbsthilfe
Medikamente
Schlafstörungen
Kognitive Verhaltenstherapie
Abgestimmte Therapie
Bewältigungs-Therapie
Hilfreiche Links
Rehabilitation bei chronischem Tinnitus, Dr. M. Rudolph, TF 2/2022.
Chronischer Tinnitus bei Kindern und Jugendlichen, Prof. Dr. Frank Rosanowski, TF 2/2021.
Kognitive Verhaltenstherapie bei Tinnitus, Dipl.-Psych. Roberto D’Amelio, TF 4/2020.
Kommunikation in der Beziehung mit von Tinnitus betroffenen Partnern, Patricia Lista, TF 1/2024.
Patientenleitlinie: Chronischer Tinnitus, DGHNO-KHC.
»Seit meinem Beitritt fühlte ich mich mit meinem Tinnitus nicht mehr isoliert. Die qualifizierte Beratung und der Austausch haben mir enorm geholfen, und die Solidarität in der Gruppe war für mich persönlich unbezahlbar wertvoll.«
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Nein.
Nein, es ist eher umgekehrt: Oft liegt einem Tinnitus eine unerkannte Hörminderung zugrunde.
Tinnitus ist ein Symptom, das von Betroffenen oft als bedrohlich erlebt wird, das aber nur in seltenen Fällen mit einer ernsthaften gesundheitlichen Bedrohung in Verbindung steht.
Nein. Tinnitus kann sich in vielen unterschiedlichen Formen äußern und die Art der Geräusche variiert stark. Zu den häufigsten Erscheinungsformen zählen pfeifende, rauschende oder dröhnende Geräusche, die oft in den Ohren oder im Kopf wahrgenommen werden. Manche Betroffene berichten auch von einem pulsierenden Ohrgeräusch, bei dem das Geräusch im Einklang mit dem eigenen Herzschlag auftritt. Es gibt eine Vielzahl anderer Beschreibungen, wie z. B. ein Zischen, Summen, Klingen oder Brummen. Diese unterschiedlichen Tinnitus-Geräusche können in ihrer Intensität und Häufigkeit schwanken und sind nicht nur für die Betroffenen selbst belastend, sondern können auch das tägliche Leben stark beeinträchtigen. Der Tinnitus ist in seiner Erscheinungsform ebenso individuell wie die Ursachen, die zu ihm führen können.
Je nach Ursache ja, zum Beispiel bei Otosklerose, Akustikus-Neurinom oder Morbus Menière. Bei hochgradigem Hörverlust oder Ertaubung kann die Versorgung mit einem Cochlea-Implantat (CI) auch die Tinnitus-Belastung mindern. Das Durchtrennen des Hörnervs wird nach vielen negativen Erfahrungen nicht mehr angewendet: Diese OP führt zur kompletten Ertaubung der jeweiligen Seite, der Tinnitus verschwindet nur selten.
Ja, Tinnitus kann durch Kopfverletzungen, insbesondere solche, die das Innenohr betreffen, ausgelöst werden. Diese Verletzungen können durch Unfälle, Schläge auf den Kopf oder traumatische Ereignisse verursacht werden. Wenn Sie einen Tinnitus nach einer Kopfverletzung bemerken, ist es wichtig, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, um die Ursache zu klären und gegebenenfalls eine angemessene Behandlung einzuleiten.
Die Vielfalt der Ursachen, die individuelle Variation von Person zu Person und die Komplexität des Hörsystems sind Gründe dafür, dass die Suche nach Heilmitteln herausfordernd ist.