Ursachen: Vielfalt und Unklarheit

Früher wurde Tinnitus als ein einheitliches Symptom verstanden. Aufgrund neuerer Forschungen wissen wir von verschiedenen Unterformen: Es gibt verschiedene Auslöser, unterschiedliche Krankheitsmodelle, unterschiedlichen Leidensdruck. Die Auswirkungen des Tinnitus auf den Betroffenen sind unabhängig von Tinnitus-Merkmalen wie Lautheit/Intensität, Qualität und Frequenz. Daher ist das allgemeine Ziel einer Intensitätsreduktion des Tinnitus für manche Menschen möglicherweise ohne Auswirkung und es wäre besser, an der Reduktion des negativen Tinnitus-Effektes zu arbeiten, anstatt nur die Verminderung der Lautstärke anzustreben.

In einer Vielzahl von Modellen wurde versucht, die Entstehung von Tinnitus auf den verschiedenen Ebenen des Hörsystems darzustellen, um mögliche therapeutische Vorgehensweisen abzuleiten. Ursachen, die in der Cochlea (Innenohr), dem Hörnerv und der zentralen Hörbahn liegen, können nur nach Anamnese- und Befunderhebung hypothetisch zugeordnet werden. Festlegungen auf Pauschalhypothesen wie „Durchblutungsstörung“ oder „Stress“ werden der Differenziertheit des Tinnitus nicht gerecht.

Idiopathischer Tinnitus

Bei etwa bis zu 45 Prozent der Fälle wird bei der Erstuntersuchung und auch später keine eindeutige Ursache des Tinnitus gefunden. Die Medizin nennt dies den „idiopathischen Tinnitus“.

Lärmschädigung des Innenohrs

Weil Lärm in unserer Industrienation so verbreitet ist, ist der Lärm einschließlich Knalltrauma die häufigste Ursache von Tinnitus (43 Prozent). In einer Studie der Deutschen Tinnitus-Liga e. V. gaben 26 Prozent der telefonisch befragten Personen an, dass der Tinnitus auf Lärm zurückgeführt werden konnte. 26 Prozent in der DTL-Studie führen ihren Tinnitus auf Stress zurück.

Schwerhörigkeit

Etwa zwei Drittel der Personen mit Schwerhörigkeit geben Tinnitus an, von denen wiederum etwa 20 Prozent sehr darunter leiden. Bei einem Drittel der Schwerhörigen lassen sich familiäre Veranlagungen feststellen (geerbte Schwerhörigkeit). Knapp 53 Prozent der Tinnitus-Betroffenen geben eine Hörminderung an, allerdings tragen die wenigsten ein Hörgerät.

Otosklerose

Die Otosklerose ist gekennzeichnet durch eine entzündlich bedingte, fortschreitende Immobilität der Mittelohrgehörknöchelchen (Schallleitungsschwerhörigkeit) und tritt zu 70 Prozent zusammen mit Tinnitus auf.

Hörsturz

Der idiopathische Hörsturz ist charakterisiert als ein akuter, aus scheinbarem Wohlbefinden heraus auftretender einseitiger Hörverlust im Sinne einer Schallempfindungsschwerhörigkeit. Bei etwa zwei Dritteln tritt in Folge ein Tinnitus auf. Spontanheilungen sind häufig, besonders bei Tieftonhörstürzen (Hydrops).

Schädel-Hirn-Trauma

Tritt der Tinnitus im Zusammenhang mit einem Schädel-Hirn-Trauma auf, zum Beispiel aufgrund eines Verkehrsunfalls oder Sturzes aus größerer Höhe, muss neben der zentralen Verletzung des Gehirns auch an eine Innenohrläsion im Sinne eines Knallschadens gedacht werden, was anhand eines zeitnahen Hörtests nachweisbar ist.

Akustikus-Neurinom

Eine langsam fortschreitende oder schwankend auftretende einseitige Hörminderung mit intermittierendem hochfrequentem Tinnitus ist oft der erste Hinweis auf ein Schwannom (Akustikus-Neurinom). Oft tritt anfangs nur ein Tinnitus auf.

Vergiftungen des Innenohrs

Tinnitus wird häufig als Nebenwirkung auf den Beipackzetteln von Medikamenten aufgeführt (ototoxische Ursachen). Dies bedeutet nicht, dass diese Medikamente Tinnitus-Betroffenen vorenthalten werden sollten. Die Patienten sind jedoch darüber aufzuklären. In der Regel ist dies reversibel, und dosisabhängig gilt das für Antidepressiva, Aminophyllin, Chinidin, Carbamazepin, Doxycyclin, Indometacin, Koffein, Salicylate, Salbutamol, Tetracyclin, Tuberkulostatika etc. Bei Aminoglykosiden (besonders Gentamycin, Kanamycin, Streptomycin, Neomycin, Bykomycin, Cisplatin etc.) sind bleibende Schäden möglich.

Muskulär bedingter oder somatoformer Tinnitus

Häufig finden sich traumatisch bedingte oder durch chronische Muskelverspannungen hervorgerufene degenerative Halswirbelsäulenveränderungen, die über Nervenverschaltungen mit der Hörbahn unterschiedliche Arten von einseitigem Tinnitus verursachen oder einen bestehenden Tinnitus schwankend verstärken (zervikogener Tinnitus). Dies gilt auch für Störungen im Kiefergelenkbereich und das häufig verbreitete Zähneknirschen (stomatognathogener Tinnitus).

Morbus Menière

Die Dreierkombination eines immer wiederkehrenden Tinnitus mit Hörsturz und Drehschwindelanfällen entspricht dem klassischen Symptom eines Morbus-Menière-Anfalls. Oft kündigt sich der Anfall auf der betroffenen Seite mit Druckgefühl an und bei chronischem Tinnitus mit einem Lauterwerden des Ohrgeräuschs sowie einer Dysakusis (verzerrtes Hören).

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