Wiederholter Tiefton-Tinnitus bei wiederholten Tiefton-Hörverlusten

Endolymphschwankungen

Ein meist brummender, dröhnender tieffrequenter Tinnitus (tiefer als 1000 Hz, meist um die 200-500 Hz), oft verbunden mit wiederholten Hörschwankungen im Tieftonbereich, stellt eine relativ häufige, aber wenig bekannte Sonderform der Tinnitus- und Hörerkrankungen dar. Hinzukommen kann ein Druck- oder Wattegefühl auf dem betroffenen Ohr, manchmal auch Missempfindungen der gleichen Gesichtshälfte. Ein innenohrbedingter (Dreh-) Schwindel wie beim Morbus Menière tritt dabei nicht auf.

So stellt dieses Hör- und Tinnitus-Geschehen ein von anderen Tinnitus-Erkrankungen abgrenzbares und eigenständiges Krankheitsbild dar. Dabei bilden sogenannte „Endolymphatische Schwankungen“ im „Gehörschlauch“ der Schnecke die organische Endstrecke dieser Erkrankung.

Stau der Endolymphflüssigkeit

Wenn mehr Endolymphe produziert wird als abtransportiert werden kann, kommt es zu einer Anschwellung des endolymphatischen Raums. Dafür scheint vor allem eine verminderte Leistung des Saccus endolymphaticus, des Endolymphatischen Sacks, verantwortlich zu sein. Möglicherweise könnte dies daran liegen, dass der Endolymphatische Sack mit Immun-Abwehraufgaben, für die er wohl auch verantwortlich ist, überfordert ist, so dass er diese Doppelaufgabe nicht ausreichend übernehmen kann. So kommt es bei Entzündungsvorgängen im Innenohr zu Abwehrleistungen, die mit Vernarbungen der Schleimhäute einhergehen können. Diese sind dann in ihrer Aufnahmefähigkeit für Flüssigkeiten eingeschränkt. Dennoch führt nicht gleich jeder Schnupfen oder jede Grippe zu einem Endolymphstau, dafür müssen schon wesentlich größere Veränderungen stattfinden. Dies ist die naheliegendste Vermutung, für die es viele Argumente gibt, aber die sicher nicht alles erklärt.

Diagnostik

Das Wichtigste sind der Krankheitsverlauf und der Vergleich mit vorbestehenden Audiogrammen, aus denen meist ein schwankendes Hörvermögen im Tieftonbereich deutlich wird. Darüber hinaus gibt es inzwischen neuere Möglichkeiten um zu unterscheiden, ob auch Anteile im Gleichgewichtsorgan betroffen sein können. Hilfreich ist auch darauf zu achten, ob es bestimmte Situationen gibt, in denen das Gehör schwankt. Vor allem ist es wichtig, Tieftonschwankungen nicht gleich als „beginnenden“ oder „monosymptomatischen“ Morbus Menière zu verkennen.

Wichtige Merkmale für innenohrbedingte Schwindel-Anfälle und psychogenen Schwindel mit ihren Symptomen sind in der folgenden Tabelle aufgelistet:

    Innenohrbedingter Schwindel-Anfall Psychogener Schwindel-Zustand
Eigenes
Erkennen
Fixieren eines festen Gegenstandes Nicht möglich Möglich
Heftiges Auftreten Nicht möglich, führt zu (erneutem) Umfallen Bessert das Schwindel-Erleben, führt zu mehr Standfestigkeit
Vertraute Menschen Ohne direkten Einfluss auf den Schwindel Können das Schwindel-Erleben deutlich bessern
Ärztlich-
Psychologisches
Psychosomatisches
Erkennen
Augenzittern (Nystagmus) Vorhanden (Frenzelbrille) Nicht vorhanden
Beschreibung des Schwindels Drehschwindel, der Raum bewegt sich um den Menschen Vielfältig, dauerhaft, tagelang, immer ...
Audiogramm (Hörtest) Wiederholte Tieftonverluste und -schwankungen häufig Ohne Änderung
Wahrnehmung beim „Gegenüber“ Angst, Panik, Ohnmacht, Resignation ... Angst und Panik meist im Vordergrund

 

Wichtig zu wissen

Die Ergebnisse verschiedener Studien widerlegen glücklicherweise die oft auch den Patienten vorgetragene Befürchtung, dass ein schwankendes Hörvermögen im Tieftonbereich die Vorstufe zu einem Morbus Menière ist. So können viele von ihrem dem Morbus Menière ähnlichen Krankheitsbild und vor allem von der nicht selten vermittelten Erwartung eines kommenden Menière-Schwindels geheilt werden, wenn sie um diese Zusammenhänge wissen.

Therapieansätze

Bei Endolymphschwankungen findet sich eine hohe Rate an Spontanerholungen oder wenigstens Besserungen. Hilfreich ist dabei auch die Progressive Muskelentspannung nach Jacobson. Verzweifeln hingegen lässt sowohl Patienten als auch Behandler die scheinbar unendliche Wiederholung des Hörverlustes, der sich immer wieder verbessern kann, sich aber oft mit der Zeit auf ein Mittelmaß stabilisiert.

Hinsichtlich der Therapiemöglichkeiten bei Endolymphschwankungen können Sie sich gern an die Deutsche Tinnitus-Liga e. V. wenden.

Eine ausführliche Darstellung findet sich in der DTL-Broschüre „Endolymphschwankungen: Stau im Höranteil – Turbulenzen im Gleichgewichtsorgan“, die für betroffene Mitglieder kostenlos ist (unter Einsendung eines mit 1,45 Euro frankierten DIN A5-Rückumschlags); Nicht-Mitglieder können die Broschüre über den Tinnitus-Shop beziehen.

 

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