Chronischer Morbus Menière

Zur Behandlung des chronischen Morbus Menière gibt es verschiedene medikamentöse und operative Therapiemöglichkeiten.

Betahistine

Große Hoffnungen werden in die Medikation mit Betahistinen gesetzt. Eine groß angelegte Studie der Münchener Arbeitsgruppe um Univ.-Prof. Dr. Michael Strupp untersucht, ob eine höhere Dosis wirksamer ist als die bisher angedachte. Eine Darstellung der Studie erschien in Tinnitus-Forum 4/2013. Dabei gibt es viele Kontroversen zur Wirkweise und zum Wirknachweis bei Patienten mit Morbus Menière, wie von Dr. Helmut Schaaf erläutert.

Gleichgewichtsübungen

Bis zum Beweis des Gegenteils helfen Gleichgewichtsübungen, die Standfestigkeit zu erhöhen, die Beweglichkeit zu verbessern und die Selbstsicherheit zu steigern. Dies gilt auch für reaktiv psychogene Schwindelzustände und konnte evidenzbasiert in 27 ausgewerteten Studien mit 1668 Teilnehmern als „sicher und effektiv bei einseitigen Gleichgewichtsausfällen“ bewertet werden.

Die bedeutendsten Faktoren für ein Ausbleiben des Behandlungserfolges sind Schonung, exzessive körperliche Ruhe und Vermeidung selbst der Aktivitäten, die eigentlich ohne größere Probleme durchführbar wären. Die Gründe sind oft Unwissenheit, fehlende Ermutigung und Angst. Ungünstig kommen oft beruhigende oder antriebsmindernde Medikamente hinzu, die manchmal statt des Gleichgewichtstrainings angeraten werden.

Diuretika

Diuretika sind entwässernde, „harntreibende“ Medikamente und sollen im Schnellverfahren erreichen, dass auch der Endolymphhydrops nur wenig Wasser führen kann. Auch wenn das auf den ersten Blick einleuchtend erscheinen mag, lässt sich kein längerer Erfolg feststellen.

Eingriffe am endolymphatischen Sack – die Sakkotomie

Eine Sakkotomie hat die Druckentlastung des endolymphatischen Hydrops zum Ziel. Der Saccus endolymphaticus ist chirurgisch hinter dem Ohr erreichbar. Dazu müssen die Operateure zunächst den sogenannten Warzenfortsatz (Mastoid) ausräumen, um von dort aus nahe an das Labyrinth heranzukommen. In der hinteren Schädelgrube wird dann die Hirnhaut freigelegt. Die Wirksamkeit ist extrem umstritten und wird – in der neurologisch erstellten Leitlinie zu Schwindel – als obsolet beschrieben.

Chemische Minderung der Gleichgewichtsfunktion: intratympanale Gentamyzin-Gabe

Wenn der organisch bedingte Menière-Schwindel öfter vorkommt, steht als wirksame Methode die Gabe des für das Innenohr toxischen (giftigen) Gentamyzin ins Mittelohr zur Verfügung. Dadurch können die Menière-bedingten Anfälle in ihrer Frequenz und in ihrer Heftigkeit gemindert und (abhängig von der Häufigkeit der Anwendung) auch ausgeschaltet werden. Gefährdet ist dabei – wie durch das Fortschreiten des Morbus Menière selbst – der Höranteil.

Im Verlauf der zunehmenden Erfahrungen mit dieser Methode hat sich herausgestellt, dass Gentamyzin mit Verzögerung in das Innenohr aufgenommen und nur langsam abgebaut wird. Dies hat dazu geführt, dass heutzutage nur mit kleinen Wirkmengen gearbeitet wird und – wegen der verzögerten Wirkung – auch länger auf den Therapieerfolg, den Ausfallschwindel, gewartet wird.

Seitdem sich herausgestellt hat, dass dadurch der Schwindel sicher unterdrückbar ist und sich das Hörvermögen nicht gerade verbessert, aber meist auch nicht wesentlich verschlechtern muss, wird die Methode schon empfohlen, wenn mehr als zwei Schwindelattacken pro Woche auftreten. Weil nicht die Ausschaltung, sondern die Minderung des Gleichgewichtsorgans angestrebt wird, kann es sein, dass sich nach längerer Zeit noch einmal ein Schwindel bemerkbar macht. Das ist dann kein Versagen der Methode, sondern ein Hinweis, dass noch einmal Gentamyzin nachgespritzt werden sollte. Der Vorteil bleibt dabei, dass nur so viel ausgeschaltet wird wie nötig und so viel geschont wird wie möglich.

Die Erfolgsraten der intratympanalen Gentamyzinapplikation sind – gemessen an der Ausschaltung des Innenohr-bedingten Attackenschwindels – hoch.

Durchtrennung des Gleichgewichtsnervs – die Neurektomie

Wenn der vom Innenohr ausgehende Schwindel nicht ausreichend beherrscht werden kann, scheint es auf der Hand zu liegen, die Nervenverbindungen zwischen dem peripheren Sinnesorgan und dem zentralen Gleichgewichtszentrum zu durchtrennen. Ist es möglich, bei der Operation den eng am Gleichgewichtsnerv anliegenden und mit ihm in einen gemeinsamen Hauptnerv mündenden Hörnerv zu schonen, sollte der Schwindel beherrscht und das verbliebene Hörvermögen erhalten bleiben. Von in dieser Methode erfahrenen Operateuren durchgeführt, werden gute Langzeitergebnisse mit kleinem Komplikationsrisiko berichtet.

Voraussetzung für diese Maßnahme ist ein neurochirurgischer Eingriff. Dieser hat wie jeder Eingriff seine spezifischen Risiken, die bei erfahrenen Operateuren selten auftreten.

Psychosomatische Behandlung bei Morbus Menière

Die Menière-Erkrankung kann dazu führen, dass sich die körperlich ausgelöste Unsicherheit auch in der seelischen Verarbeitung auswirken kann. So kann eine Unterstützung für die Seele nötig werden, um wieder ein – gegebenenfalls neues – Gleichgewicht zu finden und die Lebens- und Arbeitsfähigkeit zu erhalten. Dabei ist es sicher hilfreich, wenn sich der Psychotherapeut bei Schwindel-Patienten auch auf der organischen Ebene auskennt.

Ein pragmatischer und wirksamer Ansatz für die aktive Bewältigung des Schwindelerlebens und -verhaltens ist der Ansatz der systematischen Desensibilisierung. Dieser Ansatz kann sowohl verhaltenstherapeutisch ausgestaltet wie auch tiefenpsychologisch erweitert werden. Der rote Faden besteht in einer gut vorbereiteten und unterstützten, gestuften Auseinandersetzung mit den einzelnen schwindelauslösenden Situationen. So kann eine schrittweise Verbesserung der Gleichgewichtsfähigkeit und eine Verminderung der Angst erreicht werden.

Die stationäre psychosomatische Behandlung

Notwendig werden kann eine stationäre Behandlung, wenn die ambulanten Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft sind – was beim Morbus Menière schon schnell eintreten kann. Die stationäre Behandlung sollte folgende Elemente beinhalten: Die Möglichkeit der (wiederholten) Aufklärung und Beratung auf der Grundlage einer hinreichenden, auch neurootologischen Diagnostik; eine professionelle psychotherapeutische Unterstützung; ein individuell abgestimmtes Gleichgewichtstraining sowie die Möglichkeit einer kompetenten Hörgeräteversorgung mit Hör- und Geräuschtraining.

Die Deutsche Tinnitus-Liga e.V. hält für Mitglieder einen umfassenden Klinik-Wegweiser bereit.

Ausführlicher Artikel zum Thema Morbus Menière

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