Drehschwindel und Schwindelangst

Morbus Menière

Als wenn das Leiden am Tinnitus noch nicht genug wäre, gesellt sich beim Morbus Menière noch ein meist fortschreitender Hörverlust und ein meist attackenweiser, anfallsartiger Schwindel hinzu. Der Schwindel kann von (mindestens) 20-minütigen Anfällen bis hin zu stundenlangen schweren Drehschwindelattacken mit unstillbarem Erbrechen variieren. Kürzere und längere Anfälle haben wahrscheinlich andere Ursachen.

Diese Erkrankung von Gleichgewichts- und Hörorgan kann im günstigen Fall einen leichten Verlauf nehmen. Im ungünstigen Fall kann sie zu Schwerhörigkeit und einem Leiden am Tinnitus, im Gefolge der Schwindelanfälle auch zu länger anhaltender Unsicherheit und Hilflosigkeit sowie angstvoller Beobachtung und depressiven Entwicklungen führen.

Nicht jeder Schwindel mit Hörverlust und Tinnitus ist ein Morbus Menière

Unterschieden werden muss der Morbus Menière von einer Vielzahl von – in Teilaspekten – ähnlichen Erkrankungen. Daher kommt es häufig zu Verwechslungen und in der Regel wird die Diagnose „Morbus Menière“ viel zu oft gestellt. Eine Tabelle mit den verschiedenen Krankheitsbildern finden Sie hier.

Ursache: ein Schaden im Innenohr

Der französische Arzt Prosper Menière beschrieb 1861 eindrucksvoll das Krankheitsbild, nach dem dann die Erkrankung benannt wurde. 1938 entdeckten die Engländer Hallpike und Cairns und der Japaner Yamakawa unabhängig voneinander, dass sich bei Menière-Erkrankten die (Lymph-) Flüssigkeit in den Gehör- und Gleichgewichtsschläuchelchen staut. Dieser Stau im Innenohr wird „Endolymphatischer Hydrops“ genannt. Durch ihn kann das fein ausgeklügelte System der Sinneswahrnehmung gestört werden, und es kann zu einem regelrechten Chaos im Gleichgewichtsorgan und zu Störungen und Ausfällen im Hörorgan kommen.

Allerdings erklärt der Überdruck in den Flüssigkeitsräumen des Innenohrs allein noch nicht die Schwindelattacken. Es muss noch etwas hinzu kommen, was den Prozess ins Rollen bringt und/oder aufrecht erhält. Was genau dazugehört, darüber wird viel nachgedacht, ohne dass schon Sicherheiten bestehen.

Ausführlicher Artikel zu Diagnose-Möglichkeiten bei Morbus Menière

Die Unsicherheit nach dem Schwindel: der reaktive psychogene Schwindel

Stellen sich die unvorhersehbaren Schwindelattacken öfter ein, so wächst verständlicherweise auch die Angst vor der Wiederholung. Dabei kann die Angst vor dem Attackenschwindel so groß werden, dass sie selbst als Unsicherheit und Schwindel bis hin zu einem Gefühl des Drehschwindels empfunden und zu einer eigenen Krankheitskomponente wird. Über die reinen Anfälle hinaus kann sich dann ein ständiges Schwindelgefühl bemerkbar machen.

Der Wirkmechanismus der für Betroffene und oft auch für Behandler unvorstellbaren Schwindelerlebnisse ist in vielen Fällen dennoch gut erklärbar. So sind die organisch ausgelösten Drehschwindelattacken meist mit heftigen Gefühlen von Unsicherheit, Angst und Panik sowie „vegetativen“ Symptomen wie Schweiß, Blutdruckveränderungen, Herzklopfen usw. verbunden.

Dabei finden diese nicht in einem isolierten, luftleeren Raum statt, sondern unter gewissen Begleitumständen, die dem Anfall vorausgingen oder unter denen der Anfall stattfand. Bei entsprechender Sensibilität, die sicher bei jedem Menschen unterschiedlich ausgeprägt ist, können dann diese Begleitumstände oder Teile davon vollkommen unbewusst die gleichen Symptome auslösen wie ein organisch bedingter Menière-Anfall.

Dann kommt es zu einem Drehschwindel mit Umfallen und zu Gefühlen von Unsicherheit, Angst und Panik sowie „vegetativen“ Symptomen wie Schweißausbrüchen, Blutdruckveränderungen, Herzklopfen usw., die genauso wie bei einem Menière-Anfall erlebt werden können. Dabei ist es wichtig zu wissen, dass diese Mechanismen überwiegend unbewusst verlaufen und für die Betroffenen – und meist für die Umgebung auch – oft „ungeheuerlich“ in der Wirkung und im Verstehen sind.

Was – nahezu – jeden Schwindel aufrechterhalten kann

Nahezu jeder Schwindel dauert länger oder bleibt sogar ganz aufrecht erhalten, wenn Schwindel-Betroffene nicht aus ungünstigen Gedanken über sich und ihre Welt (Kognitionen) herauskommen können, nicht hilfreiche Gefühle unverändert bleiben müssen und weiter Machbares unterlassen wird. Zudem erhält es den Schwindel aufrecht, wenn man hinsichtlich der Diagnose statt Klarheit Schwindelperspektiven erwartet und – meist aus der Angst gespeist – zunehmend Aktivitäten vermeidet, die eigentlich machbar sind.

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