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DTL-Standpunkt

Brügger-Therapie: Eine Hilfe bei Tinnitus?


In der Presse wird durch Artikel und Anzeigen augenblicklich suggeriert, dass mittels einer Bewegungs-Therapie, der sogenannten Brügger-Therapie, dem Tinnitus beizukommen sei. Die Brügger-Therapie leistet jedoch nicht mehr, aber auch nicht weniger, als alle weiteren bekannten und bewährten Körper- und Entspannungstherapieverfahren. Sie kann Anspannungen und/oder eingeschliffene Bewegungsmuster lösen, wodurch das allgemeine Wohlbefinden gestärkt und auch eine Fixierung auf das Ohrgeräusch aufgehoben werden kann.


Die Brügger-Therapie ist jedoch kein Allheilmittel. Ebenso individuell wie jeder Tinnitus ist, so individuell müssen auch die Behandlungsansätze und Therapieverfahren erarbeitet und erprobt werden.


Seit einigen Jahren ist durch intensive Forschung im Tierversuch und durch spezielle bildgebende Untersuchungsverfahren mittels Kontrastmittelgabe beim Menschen klar geworden, dass sich ein Tinnitus nach einiger Zeit im Gehirn festsetzen kann. Er wird sozusagen vom Gehirn erlernt und dort gespeichert. Vergleichbares kennt man schon lange bei Phantomschmerzen oder auch chronischen Schmerzen. Heutzutage kann man Schmerzen durch frühzeitige Gabe bestimmter Medikamente unterdrücken, um einen Lernprozess oder Speicherprozess des Schmerzes im Gehirn zu unterbrechen oder gar zu verhindern.


Auf ähnliche Weise wird seit geraumer Zeit bei Tinnitus verfahren. Da hier aber nicht medikamentös behandelt werden kann, wird z.B. bei der Tinnitus-Retraining-Therapie ein therapeutisches Geräusch mittels eines Rauschgerätes eingesetzt. Dieses breitbandige Rauschen wird flankiert durch aufklärende Gespräche über Entstehungs- und Wahrnehmungsmechanismen des Tinnitus (Counselling) sowie durch Entspannungsverfahren und Körpertherapie. Therapieverfahren, die einen Bewältigungsansatz haben, sind in der Regel immer mit Entspannungs- und Körpertherapie-Verfahren gekoppelt. Zu diesen zählen u.a. Yoga, Qui Gong, Feldenkrais und auch die Brügger Therapie. Diese Körpertherapien können eingeschliffene Bewegungsmuster verändern und sich somit wohltuend auf Körper und Seele auswirken. Nicht selten wird ein Gesundungsprozess in Gang gesetzt.

In den neuesten Veröffentlichungen wird allerdings der Eindruck erweckt, als ob alleine durch die Brügger-Therapie eine Tinnitus-Linderung, ja sogar Heilung zu erzielen sei. Das trifft sicherlich nicht zu. Vor allen Dingen muß jeder Betroffene für sich entscheiden, welche Körpertherapie für ihn die richtige ist. Hier gilt häufig die Regel: Probieren geht über Studieren.


In der Tinnitus-Bewältigung allein auf eine Therapie zu setzen, ist nach Erfahrungen der DTL und vieler Fachleute falsch. Tinnitus hat viele Ursachen und eben so viele Behandlungsansätze. So muss der einzelne Patient zusammen mit dem behandelnden Arzt eine individuelle Therapie erarbeiten und erfahren.

Jeder Therapeut, der von sich behauptet, dass nur er den wahren Schlüssel zur Tinnitus-Therapie in seiner Hand hält, verbaut dem Tinnitus-Betroffenen den eigenen wirkungsvollen Weg zur Bewältigung und Selbsthilfe.


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DTL, Januar 2001



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